· von Manuela Bletzer · 9 Minuten Lesezeit Newsletter
Newsletter mit ChatGPT schreiben: was funktioniert, was peinlich wird
„Schreib mir einen Newsletter für meine Kundinnen." Zwölf Sekunden später steht da ein Text. Er sieht aus wie ein Newsletter, er klingt wie ein Newsletter, und er ist trotzdem nicht von dir.
Einen Newsletter mit ChatGPT schreiben, das geht. Tausend Menschen suchen in Deutschland jeden Monat genau danach. Die Frage ist nicht ob, sondern welchen Teil du der KI überlässt und welchen auf keinen Fall.
Ich arbeite selbst jeden Tag mit KI, vor allem mit Claude. Nur nicht so, wie es die meisten Anleitungen empfehlen. Hier steht, wofür die KI im Newsletter taugt, woran deine Leserinnen einen KI-Text erkennen und welche vier Stellen du besser selbst schreibst.
Taugt ChatGPT überhaupt für Newsletter?
Ja, aber nicht zum Schreiben. Zum Vorbereiten, Sortieren und Kürzen. ChatGPT ist ein Werkzeug für alles, was du danach noch einmal liest und änderst. Es ist kein Werkzeug für das, was dich ausmacht.
Der Unterschied ist wichtig, weil fast jede Anleitung im Netz dasselbe verspricht: acht Prompts, fertiger Newsletter, zurücklehnen. Das funktioniert genau einmal. Beim zweiten Mal merkt deine Leserin etwas, und beim dritten Mal meldet sie sich ab.
Ein Newsletter lebt davon, dass da ein Mensch schreibt, den man wiedererkennt. Eine KI kennt deine Woche nicht. Sie weiß nicht, dass du am Dienstag zwei Stunden mit einer Kundin an einem Anmeldeformular gesessen hast, das sich partout nicht mit der Website verbinden wollte. Genau dieser Satz wäre aber dein bester Einstieg gewesen.
ChatGPT oder Claude, macht das einen Unterschied?
Für deinen Newsletter kaum. Für dein Arbeitsgefühl schon. Die Frage beschäftigt offenbar viele: „claude vs chatgpt" wird in Deutschland rund 4.400-mal im Monat gegoogelt, vor einem Jahr war es ein Viertel davon.
Ich selbst arbeite täglich mit Claude. ChatGPT nehme ich daneben, vor allem wenn ich schnell viele kurze Varianten sehen will. Beide können alles, was in diesem Artikel steht, und für beide gelten dieselben vier Stellen, die du selbst schreiben musst.
Was ich in der Praxis merke, und das ist meine Erfahrung und keine Messung: Claude hält einen vorgegebenen Ton über einen längeren Text hinweg besser durch. ChatGPT liefert dafür schneller eine lange Liste, aus der man auswählt. Das sind Nuancen.
Der Unterschied, der wirklich zählt, liegt woanders: Eine gute Anweisung macht mehr aus als die Wahl des Anbieters. Wer „schreib mir einen Newsletter" eintippt, bekommt überall denselben Brei. Wer seinen eigenen ersten Absatz mitliefert und sagt „schreib in genau diesem Ton weiter", bekommt überall etwas Brauchbares.
Such dir also nicht das beste Werkzeug aus. Nimm das, mit dem du ohnehin arbeitest, und lern, ihm ordentlich zu sagen, was du willst.
Wofür ChatGPT im Newsletter wirklich gut ist
Für alles, was Arbeit ist, aber keine Stimme braucht. Diese sechs Dinge mache ich regelmäßig mit der KI und würde sie nicht mehr anders machen wollen:
- Zwanzig Betreffzeilen auf einmal. Nicht um eine davon zu nehmen, sondern um zu sehen, in welche Richtungen man überhaupt denken kann. Meistens nehme ich am Ende Nummer 14 und schreibe sie um.
- Die Reihenfolge prüfen. „Hier ist mein Entwurf. In welcher Reihenfolge würdest du die drei Absätze bringen und warum?" Die Begründung ist oft nützlicher als der Vorschlag.
- Kürzen. „Streich ein Drittel, ohne dass eine Aussage verloren geht." Das kann die KI besser als die meisten Menschen, weil sie nicht an ihren eigenen Formulierungen hängt.
- Den Übergang finden, an dem du seit zwanzig Minuten festsitzt. Zwei Sätze, mehr braucht es nicht.
- Gegenlesen lassen. „Was versteht jemand nicht, der noch nie einen Newsletter verschickt hat?" Darauf kommen Antworten, die einen ehrlich ärgern, weil sie stimmen.
- Themen sammeln. Wenn dir nichts einfällt, ist eine Liste mit dreißig Vorschlägen ein guter Startpunkt. Zwei davon taugen. Das reicht.
Fällt dir etwas auf? In allen sechs Fällen schreibt die KI nicht deinen Newsletter. Sie hilft dir dabei, deinen zu schreiben.
Woran deine Leserinnen den KI-Text erkennen
An acht Dingen, und sie brauchen dafür keine Ahnung von KI. Sie merken nur, dass etwas anders ist als sonst. Hier sind die Muster, die ich beim Gegenlesen von Kundinnen-Newslettern am häufigsten finde:
- Alles kommt in Dreiern. „Klar, ehrlich und verbindlich." „Schnell, einfach und effektiv." Ein Mensch macht das ab und zu. Eine KI macht es in jedem zweiten Satz.
- Wörter, die niemand ausspricht. Ganzheitlich. Nahtlos. Eintauchen. Mehrwert schaffen. Die Reise. Sag den Satz laut. Wenn du dich dabei fremd anhörst, streich ihn.
- Alle Absätze sind gleich lang. Echte Texte haben einen Satz, der allein steht. So einen hier.
- Es kommt kein einziger Name vor. Kein Ort, kein Datum, kein Preis, keine Uhrzeit. Nichts, was man nachprüfen könnte.
- Der Einstieg erklärt die Welt. „In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es wichtiger denn je …" Da hört schon jede auf.
- Fragen, die niemand beantworten soll. „Kennst du das Gefühl?" Drei davon hintereinander, und es klingt nach Formular statt nach Gespräch.
- Der Schluss sagt nichts. „Ich freue mich darauf, dich auf deinem Weg zu begleiten." Das steht in tausend Newslettern und bedeutet nirgends etwas.
- Es tut niemandem weh. Kein Standpunkt, keine Einschränkung, kein „das halte ich für falsch". KI-Texte sind höflich bis zur Bedeutungslosigkeit.
Der ehrlichste Test dauert dreißig Sekunden: Lies deinen Entwurf laut vor. An der Stelle, an der du dich selbst komisch findest, hat die KI geschrieben.
Übrigens: Viermal im Jahr schreibe ich mit einer Kollegin das Magazin „digital durchstarten." – für 0 Euro. Darin geht es um mehr als Newsletter: Marketing und Strategie, Technik und KI, digitale Produkte. Magazin abonnieren
Die vier Stellen, die du selbst schreibst
Erste Zeile, Geschichte, Zahlen, Angebot. Wenn du sonst alles der KI überlässt, aber diese vier selbst schreibst, merkt niemand etwas. Umgekehrt merkt es jede.
- Die erste Zeile. Sie entscheidet, ob weitergelesen wird. Sie ist der Ort, an dem deine Stimme ankommt oder nicht. Nimm hier nie einen Vorschlag unverändert.
- Die Geschichte aus deiner Woche. Die Kundin, der Anruf, der Fehler, über den du dich geärgert hast. Diese drei Sätze kann die KI nicht erfinden, und sie sind der Grund, warum deine Leserin dich öffnet.
- Jede Zahl und jedes Datum. Sprachmodelle denken sich Zahlen aus, wenn sie keine haben. Sie tun das überzeugend und ohne Warnung. Ein falscher Preis in einem Newsletter ist ein echtes Problem, kein Schönheitsfehler.
- Dein Angebot und der Aufruf am Ende. Die KI kennt deine Preise nicht, deine Wartezeit nicht und deine Grenzen nicht. Sie neigt außerdem dazu, ein bisschen mehr zu versprechen, als du halten willst.
Wie viel du überhaupt selbst machst und wo die Grenze zum Abgeben verläuft, habe ich getrennt aufgeschrieben: Newsletter selbst schreiben oder auslagern.
So sieht mein Ablauf aus
Fünf Schritte, und die KI kommt erst im dritten vor. Genau das ist der Unterschied zu den Prompt-Listen, die überall stehen.
- Stichpunkte, von Hand. Worum geht es, was soll die Leserin danach tun, was ist mir diese Woche passiert. Fünf Minuten, ohne Bildschirm geht es auch.
- Den ersten Absatz selbst schreiben. Schlecht ist in Ordnung. Er zeigt der KI später, wie du klingst.
- Jetzt erst die KI. Stichpunkte und ersten Absatz hineinkopieren, dazu: „Schreib in genau diesem Ton weiter. Kurze Sätze, keine Dreierfiguren, keine Marketingwörter."
- Wegwerfen und neu ordnen. Meist bleibt die Hälfte. Der Rest ist Rohmaterial, an dem ich sehe, was ich eigentlich sagen will.
- Laut vorlesen, dann die vier Stellen von oben selbst schreiben. Danach ist der Newsletter fertig.
Das dauert nicht weniger lang als ohne KI. Es fühlt sich nur weniger nach leerem Blatt an, und das ist bei den meisten das eigentliche Problem. Wenn dein Problem dagegen ist, dass du nicht weißt, worüber du schreiben sollst, hilft keine KI, sondern eine E-Mail-Marketing-Strategie.
Ein Beispiel aus der Praxis
Eine Fotografin, seit vier Jahren selbstständig, schrieb ihren Newsletter monatlich selbst. Dann wurde es ihr zu viel, und sie ließ vier Ausgaben hintereinander komplett von ChatGPT schreiben. Sauber formuliert, keine Fehler, pünktlich verschickt.
Nach der vierten Ausgabe schrieb eine langjährige Leserin zurück. Ein Satz: „Bist du das noch?"
Das war keine Beschwerde über Qualität. Der Text war fehlerfrei. Es war das Gegenteil: Er war zu glatt. In den Ausgaben davor hatte die Fotografin über einen verregneten Außentermin geschimpft und zugegeben, dass sie Hochzeiten eigentlich nicht mag. Das fehlte plötzlich.
Wir haben danach nichts Kompliziertes gemacht. Sie schreibt ihre erste Zeile und ihre Geschichte wieder selbst, alles andere darf die KI. Seitdem kommt auf jede Ausgabe wieder eine Antwort. Manchmal zwei.
Was nicht ins Eingabefeld gehört
Keine Kundendaten. Nie. Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Listenexporte, der Inhalt eines Beratungsgesprächs: alles, was eine bestimmte Person erkennbar macht, bleibt draußen.
Der Grund ist einfach. Wenn du personenbezogene Daten in ein KI-Werkzeug tippst, gibst du sie an einen weiteren Dienstleister weiter. Dafür brauchst du eine Rechtsgrundlage und in der Regel einen Vertrag über Auftragsverarbeitung. Für den Newsletter brauchst du das aber gar nicht: Schreib „eine Kundin aus dem Gesundheitsbereich" statt des Namens, und die KI arbeitet genauso gut.
Was übrigens unabhängig von KI gilt: Die Pflichtangaben in deinem Newsletter musst du selbst prüfen. Kein Sprachmodell haftet dafür, dass dein Impressum vollständig ist.
Mein Rat zum Schluss
Benutz ChatGPT oder Claude für deinen Newsletter. Wirklich. Es nimmt dir den Teil ab, der mühsam ist, und es hilft gegen das leere Blatt, an dem die meisten scheitern.
Aber lass die KI nicht die Person sein, die schreibt. Deine Leserinnen haben sich für dich eingetragen, nicht für einen gut formulierten Text. Den bekommen sie heute überall, umsonst, in beliebiger Menge. Was sie nirgendwo sonst bekommen, bist du.
Wenn du gerade erst anfängst, kümmere dich zuerst um die Technik und um deine Willkommensmail. Die bringt dir mehr als jeder Prompt.
Häufige Fragen zu ChatGPT und Newsletter
Erkennt Google, ob mein Newsletter von einer KI geschrieben wurde?
Für den Newsletter selbst spielt Google keine Rolle, der landet im Postfach und nicht in der Suche. Wichtiger ist, ob deine Leserinnen es merken. Sie tun es, und zwar schneller, als die meisten glauben.
Muss ich kennzeichnen, dass ich KI benutzt habe?
Für einen normalen Newsletter gibt es in Deutschland derzeit keine allgemeine Kennzeichnungspflicht. Anders sieht es bei Bildern aus, die echt wirken sollen, und bei Werbeaussagen. Im Zweifel frag jemanden mit Rechtskenntnis, nicht die KI selbst.
Welches KI-Werkzeug ist das beste für Newsletter?
Der Unterschied zwischen ChatGPT, Claude und den anderen bekannten Anbietern ist für diese Aufgabe kleiner als der Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Anweisung. Ich arbeite täglich mit Claude und daneben mit ChatGPT. Nimm das, mit dem du ohnehin arbeitest, und steck deine Zeit lieber in einen guten ersten Absatz.
Kann ich meinen kompletten Newsletter automatisch schreiben und verschicken lassen?
Technisch ja, es gibt Tools, die genau das anbieten. Praktisch führt es dazu, dass deine Liste über Monate langsam abschmilzt, ohne dass du merkst, warum. Wer abspringt, schreibt dir das selten.
Deine Manuela
Wenn du mehr wissen möchtest
Die KI nimmt dir das Schreiben ab. Das Anmeldeformular, das Double Opt-in und die Willkommensmails nimmt sie dir nicht ab.
Genau das richte ich ein, damit du dich um das kümmern kannst, was nur du schreiben kannst.
Geschrieben von Manuela Bletzer
Ich richte Newsletter für soloselbstständige Frauen ein, von analog zu digital. Was hier steht, kommt aus der Arbeit mit meinen Kundinnen: die Fragen, die im Erstgespräch immer wieder auftauchen.