Onlinebusiness
Freebie erstellen, für das sich Menschen wirklich eintragen
„Ich brauche ein Freebie“ ist einer der häufigsten Sätze, die ich höre – gleich nach „ich muss endlich einen Newsletter machen“. Meist steckt dahinter die Vorstellung von einem 30-seitigen E-Book mit schönem Cover, das dann wochenlang nicht fertig wird.
Die Wahrheit ist unbequemer und einfacher zugleich: Die Freebies, für die sich Menschen wirklich eintragen, sind klein, konkret und in einem Nachmittag gebaut. Das E-Book ist fast immer der falsche Weg.
Ich zeige dir, woran Freebies scheitern, wie du in fünf Schritten eines baust, das funktioniert, und was du rechtlich beachten musst, wenn du es gegen eine E-Mail-Adresse tauschst.
Was ist ein Freebie?
Ein Freebie ist ein kostenloses Geschenk, das du im Tausch gegen eine E-Mail-Adresse anbietest – eine Checkliste, eine Vorlage, eine kurze Anleitung. Das englische Wort heißt schlicht „Gratis-Sache“; im Marketing sagt man auch Lead Magnet oder 0-Euro-Produkt.
Der Zweck ist nicht Großzügigkeit. Der Zweck ist, dass jemand dir seine Adresse gibt, der dich sonst nach dem ersten Besuch auf deiner Website nie wieder gesehen hätte. Das Freebie ist der Grund, sich einzutragen – und die erste Arbeitsprobe, die diese Person von dir bekommt.
Genau deshalb ist es wichtiger, dass es gut ist, als dass es groß ist.
Warum die meisten Freebies nicht funktionieren
Aus drei Gründen, die fast immer zusammen auftreten: zu allgemein, zu groß, und nicht an dein Angebot angeschlossen.
- Zu allgemein. „10 Tipps für mehr Gelassenheit“ will niemand dringend. „Die 5 Fragen, die du deiner Steuerberaterin vor dem Jahreswechsel stellen solltest“ will die Richtige sofort. Je enger das Problem, desto größer die Sehnsucht nach der Lösung.
- Zu groß. Ein 30-Seiten-E-Book wird heruntergeladen und nie gelesen. Damit hat es seinen Zweck verfehlt: Deine Leserin sollte in zehn Minuten einen kleinen Erfolg haben, der ihr zeigt, dass du weißt, wovon du sprichst.
- Nicht angeschlossen. Das Freebie muss der erste Schritt in Richtung deines Angebots sein. Wer eine Checkliste zur Newsletter-Fußzeile herunterlädt, braucht als Nächstes vielleicht jemanden, der die Fußzeile einrichtet. Wer ein Rezeptheft herunterlädt, braucht als Nächstes – ja, was eigentlich? Wenn du die Frage nicht beantworten kannst, ist es das falsche Freebie.
Freebie erstellen in fünf Schritten
Ein Nachmittag für das Freebie selbst, ein zweiter für die Technik. Mehr sollte es beim ersten Mal nicht sein.
- Das Problem wählen. Nimm die Frage, die dir im Erstgespräch am häufigsten gestellt wird. Nicht das große Thema deines Business, sondern die eine konkrete Frage davor. Sie ist dein Freebie. Wenn dir keine einfällt: Schau in deine letzten zehn E-Mails von Interessentinnen.
- Das Format wählen. Etwas, das in unter 15 Minuten genutzt werden kann. Checkliste, Vorlage zum Ausfüllen, Fragenkatalog, kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung, Rechentabelle. Drei bis sechs Seiten. Kein Video-Kurs, kein E-Book – noch nicht. Eine Liste mit Ideen, sortiert nach Aufwand, steht in Lead Magnet: 13 Ideen für Dienstleisterinnen.
- Erstellen. In Word oder Canva, dann als PDF speichern. Dein Name, dein Logo, deine Farbe – und auf der letzten Seite ein Satz dazu, was der nächste Schritt wäre und wo man dich findet. Nicht mehr. Kein Verkaufstext.
- Ausliefern. In deinem Newsletter-Tool ein Anmeldeformular anlegen, mit Double Opt-in. Nach der Bestätigung schickt eine Automation das PDF – sofort, ohne dass du etwas tun musst. Das PDF liegt dabei auf deiner Website oder im Tool, nicht als Anhang.
- Anschließen. Die Mail mit dem Freebie ist deine erste Willkommensmail. Danach folgen zwei, drei weitere, die erklären, wer du bist und wie es weitergeht. Ohne diesen Anschluss ist das Freebie ein Geschenk an Fremde, die Fremde bleiben.
Darf ich das Freebie an den Newsletter koppeln?
Ja, wenn du es offen sagst. Der Satz „Du bekommst die Checkliste und meinen Newsletter“ ist erlaubt. Der Satz „Hol dir die Checkliste“ mit versteckter Newsletter-Anmeldung ist es nicht.
Der Hintergrund heißt Kopplungsverbot: Eine Einwilligung in Werbung darf nicht die versteckte Bedingung für etwas anderes sein. In der Praxis bedeutet das für dein Freebie:
- Am Formular steht klar, dass mit dem Eintrag auch der Newsletter kommt – und wie oft.
- Der Abmeldelink steht in jeder Mail, auch in der mit dem Freebie.
- Wer sich nach dem Freebie sofort abmeldet, hat das Recht dazu – und du hast trotzdem gewonnen: Diese Person hätte dir ihre Adresse sonst nie gegeben.
Wie du das Formular und die Einwilligung sauber formulierst, steht in Pflichtangaben im Newsletter. Ich bin keine Rechtsanwältin – bei Unsicherheit lass den Formulartext einmal von einer Fachperson prüfen. Das kostet weniger als eine Abmahnung.
Ein Beispiel aus der Praxis
Mein eigenes Freebie ist ein Beispiel dafür, wie klein „klein“ sein darf: ein Redaktionsplan als Excel-Tabelle. Ein Blatt pro Monat, Spalten für Thema, Betreff, Versandtag, Status. Keine Anleitung, kein Vorwort, keine zwanzig Seiten Theorie.
Warum ausgerechnet das? Weil die Frage „Was soll ich denn schreiben, und wann?“ die ist, die mir jede Kundin im ersten Gespräch stellt. Der Plan löst genau dieses Problem – und wer ihn ausfüllt, merkt nach vier Wochen, dass sie die Themen hat, aber jemanden braucht, der baut und verschickt. Das ist mein Angebot.
Der Plan war an einem Nachmittag fertig. Die Anmeldeseite, das Formular und die Automation am zweiten. Seitdem läuft er ohne mein Zutun – und er ist bis heute der Weg, über den die meisten Menschen in meine Liste kommen.
Fazit
Ein Freebie muss klein sein, ein konkretes Problem lösen und der erste Schritt zu deinem Angebot sein. Wenn es diese drei Dinge erfüllt, ist ein PDF mit vier Seiten mehr wert als ein E-Book mit dreißig.
Bau es an einem Nachmittag, richte die Auslieferung am zweiten ein, und schließ die Willkommensmails an. Danach darf es in Ruhe arbeiten – und du kannst dich um die kümmern, die sich eingetragen haben.
Häufige Fragen zum Freebie
Was heißt Freebie auf Deutsch?
Wörtlich „Gratis-Sache“ oder „kostenloses Geschenk“. Im Marketing meint man damit ein kostenloses Angebot – Checkliste, Vorlage, Anleitung –, das im Tausch gegen eine E-Mail-Adresse abgegeben wird. Andere Wörter für dasselbe: Lead Magnet, 0-Euro-Produkt, Goodie.
Wie lang sollte ein Freebie sein?
So kurz, dass es in unter 15 Minuten genutzt werden kann – drei bis sechs Seiten sind für die meisten Formate richtig. Ein Freebie soll einen schnellen, kleinen Erfolg bringen, nicht gelesen werden wie ein Buch. Große E-Books werden heruntergeladen und nie geöffnet.
Muss ein Freebie ein PDF sein?
Nein, aber ein PDF ist für den Anfang am einfachsten: in Word oder Canva erstellt, auf jedem Gerät lesbar, ohne Technik auszuliefern. Alternativen sind eine Excel-Vorlage, eine kurze E-Mail-Serie oder ein einzelnes Video. Wähl das Format nach dem Problem, nicht nach dem, was gerade Mode ist.
Darf ich ein Freebie nur gegen die Newsletter-Anmeldung herausgeben?
Ja, solange du es offen sagst: Am Formular muss klar stehen, dass mit dem Eintrag auch der Newsletter kommt, und jede Mail braucht einen Abmeldelink. Eine versteckte Newsletter-Anmeldung hinter einem „Download“-Knopf ist nicht erlaubt. Im Zweifel den Formulartext einmal rechtlich prüfen lassen.
Dein Freebie ist fertig, aber Anmeldeseite, Formular und die Automation, die es verschickt, stehen noch nicht?
Genau das richte ich dir ein: Landingpage, Bestätigungs- und Dankesseite, das Formular mit Double Opt-in und die Willkommensmails, die dein Freebie ausliefern. Alles verbunden, alles getestet.
Deine Manuela
← Alle BlogartikelWillst du keinen Beitrag verpassen?
Im Newsletter-Magazin „digital durchstarten.“ bekommst du viermal im Jahr Impulse rund um Newsletter, Technik und digitale Produkte – für 0 Euro.