· von Manuela Bletzer · 9 Minuten Lesezeit Newsletter
Newsletter-Abonnenten gewinnen, ohne große Reichweite
Wenn du nach diesem Thema suchst, findest du Listen mit dreißig Strategien. Pop-up, Onlineshop, Gewinnspiel, Messestand, Kasse, Social-Media-Kampagne. Geschrieben für Unternehmen mit Marketingabteilung und zehntausend Followern.
Du hast aber vielleicht keinen Shop, keine Messe und keine zehntausend Follower. Du hast ein Business, das du allein führst, elf Menschen auf deiner Liste und zwei Stunden in der Woche für Marketing. Dann brauchst du keine dreißig Strategien, sondern drei, die zu dir passen.
Ich zeige dir die acht Wege, über die bei meinen Kundinnen tatsächlich Adressen hereinkommen, und vier, von denen ich abrate, obwohl sie überall empfohlen werden.
Warum fünfzig Adressen mehr wert sind als fünfhundert
Weil es beim Newsletter nicht um Publikum geht, sondern um Nähe. Eine Liste ist kein Zuschauerraum, sondern ein Stapel Briefe, die du an Menschen schreibst, die etwas von dir wollen.
Rechne es einmal durch. Du hast fünfzig Adressen, von Menschen, die dich kennen und die dein Thema brauchen. Zwanzig öffnen jede Mail, fünf antworten gelegentlich, und eine bucht irgendwann. Bei einem Angebot von ein paar Hundert Euro hat sich dein Newsletter damit bezahlt.
Jetzt dieselbe Rechnung mit fünfhundert Adressen aus einem Gewinnspiel. Fünfzig öffnen, niemand antwortet, niemand bucht, und du zahlst in deinem Tool für den höheren Tarif. Die größere Zahl sieht besser aus und bringt weniger ein.
Deshalb ist die erste Entscheidung keine Methode, sondern eine Haltung: Du willst nicht viele, du willst die Richtigen. Alles, was darauf folgt, ergibt sich daraus.
Die Frage, die vor allen Kanälen kommt
Was versprichst du überhaupt? Diese Frage entscheidet, ob sich Menschen eintragen, und sie wird in fast allen Anleitungen übersprungen, weil sie unbequem ist. Sie klingt banal, sie ist es nicht.
„Ich schicke Neuigkeiten aus meinem Business“ ist kein Versprechen. Es ist eine Ankündigung von Arbeit für die Leserin, ohne Gegenleistung. „Alle zwei Wochen eine Übung, mit der dein Rücken den Bürotag besser übersteht“ ist ein Versprechen. Man weiß, was kommt, wie oft es kommt und wofür es gut ist.
Mach die Probe: Sag deinen Newsletter in einem Satz, so wie du es einer Bekannten im Café erzählen würdest. Wenn der Satz nicht kommt, liegt das Problem nicht beim Anmeldeformular. Dann lies zuerst Newsletter-Ideen und entscheide, was dein Newsletter eigentlich ist.
Und wenn du den Satz hast, schreib ihn überall hin. Auf die Anmeldeseite, in dein Profil, in die Signatur. Derselbe Satz, immer wieder.
Acht Wege, die wirklich funktionieren
Sortiert nach Aufwand, der kleinste zuerst. Nimm die ersten drei und lass die übrigen erst einmal liegen. Der achte ist der mit der größten Wirkung, kostet aber auch am meisten Vorbereitung.
- Frag die Menschen, die dich schon kennen. Einzeln, persönlich, mit einer kurzen Nachricht und dem Link zu deiner Anmeldeseite. Nicht als Rundmail an alle, sondern als eine Zeile an die eine Person: „Ich schreibe jetzt alle zwei Wochen etwas zu X, ich glaube, das passt zu dir.“ Zwanzig solcher Nachrichten bringen mehr als zwanzig Instagram-Beiträge. Eintragen muss sich die Person selbst, das ist keine Höflichkeit, sondern Vorschrift.
- Deine E-Mail-Signatur. Zwei Zeilen unter deinem Namen, mit dem Satz von oben und dem Link. Du schreibst jeden Tag Mails, und jede ist eine Gelegenheit, die dich nichts kostet. Von allen Wegen ist das der mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis.
- Eine Anmeldeseite, auf die du überall verlinkst. Eine Adresse, die du dir merken kannst, mit einer Seite dahinter, die eine Sache anbietet. Danach taucht dieser Link überall auf: im Profil, unter Beiträgen, in Mails, auf Zetteln. Was auf diese Seite gehört, steht in Die Anmeldeseite für deinen Newsletter.
- Ein Geschenk, das ein konkretes Problem löst. Eine Checkliste, eine Vorlage, ein Fragenkatalog. Klein, in einem Nachmittag gebaut, in fünfzehn Minuten nutzbar. Es ist der Grund, sich jetzt einzutragen statt irgendwann. Wie du eines baust, steht in Freebie erstellen.
- Die Seiten, auf denen schon Menschen landen. Hast du Blogartikel, die bei Google gefunden werden, gehört unter jeden ein Hinweis auf den Newsletter, der zum Thema des Artikels passt. Nicht derselbe Satz überall, sondern einer, der an die gerade gelesene Frage anschließt.
- Offline, wenn dein Business offline stattfindet. Ein Aushang mit QR-Code im Behandlungsraum, eine Karte in der Tüte, ein Satz nach dem Termin. Das sind die Menschen, die dich schon mögen, und sie sind der am meisten übersehene Kanal überhaupt, weil er nicht nach Marketing aussieht.
- Gemeinsame Sache mit Kolleginnen. Der Weg, der bei mir selbst am besten funktioniert. Ich schreibe das Magazin „digital durchstarten." mit einer Kollegin, und wir erreichen damit beide Menschen, die uns allein nie gefunden hätten. Suche dir eine, die dieselbe Zielgruppe hat, aber etwas anderes anbietet, und macht etwas zusammen: ein Magazin, einen Vortrag, eine Folge im Podcast der anderen.
- Eine Aktion mit einem Anlass. Ein digitaler Adventskalender, eine Aktion zum Black Friday, eine Challenge über fünf Tage. Das ist der einzige Weg, bei dem die Zahl sprunghaft steigt statt langsam zu wachsen, denn hier gibt es einen Grund, sich jetzt einzutragen und nicht irgendwann. Rechne mit vier bis sechs Wochen Vorlauf, dafür kann an einem einzigen Tag mehr hereinkommen als in den drei Monaten davor. Und damit es keine Verwirrung mit dem ersten Punkt der nächsten Liste gibt: Das ist kein Gewinnspiel. Beim Gewinnspiel tragen sich Menschen für den Preis ein, bei einer Aktion für deine Inhalte. Darin liegt der ganze Unterschied, und er entscheidet, wer im Januar noch da ist.
Übrigens: Viermal im Jahr schreibe ich mit einer Kollegin das Magazin „digital durchstarten." – für 0 Euro. Darin geht es um mehr als Newsletter: Marketing und Strategie, Technik und KI, digitale Produkte. Magazin abonnieren
Vier Wege, die ich nicht empfehle
Alle vier findest du in den großen Listen, und drei davon kosten dich mehr, als sie bringen. Einer ist schlicht verboten.
- Das Gewinnspiel. Steht bei Google auf Platz eins der Empfehlungen und ist für Solopreneurinnen fast immer falsch. Du gewinnst Menschen, die den Preis wollen, nicht dich. Nach der Ziehung kommen die Abmeldungen gebündelt, und der Rest öffnet nicht mehr. Wenn schon, dann verlose etwas, das nur deine Zielgruppe haben will, zum Beispiel eine Stunde deiner Arbeit.
- Adressen kaufen oder mieten. Verboten, weil die Einwilligung dir nicht gegeben wurde, und nutzlos, weil die Menschen dich nicht kennen. Dazu ruiniert es den Ruf deiner Absenderadresse, und das merkst du danach jahrelang bei jeder Mail, die im Spam landet.
- Die Adressen aus deinem Kundenstamm. Die Versuchung ist groß, weil die Liste schon da ist. Eine Adresse, die jemand für eine Rechnung oder einen Termin hinterlassen hat, ist aber keine Einwilligung in Werbung. Warum das so ist und was du stattdessen tun kannst, steht in Newsletter und DSGVO.
- Das Pop-up, das sofort beim Öffnen erscheint. Niemand trägt sich ein, bevor er weiß, worum es geht. Wenn du eines einsetzt, dann erst nach einer Weile oder beim Verlassen der Seite, und nur auf Seiten, die zum Thema passen.
Wie schnell wächst eine Liste?
Das hängt an deinem Thema, und zwar mehr als an deinem Fleiß. Deshalb nenne ich hier keine Zahl, die für alle gilt. Es gibt sie nicht, und wer dir eine nennt, hat sie geraten.
Schreibst du über etwas, nach dem viele Menschen suchen, kann es schnell gehen. Dreistellig in wenigen Wochen ist dann kein Wunder, sondern die normale Folge davon, dass dein Thema gefragt ist. Ist dein Thema eng und speziell, dauert es länger, und die Liste ist am Ende trotzdem mehr wert, weil jede Adresse darauf genau passt.
Und dann gibt es die Sprünge. Ein Adventskalender, eine Black-Friday-Aktion, eine Challenge: Wer so etwas geschickt angeht und früh genug ankündigt, holt in zwei Wochen mehr Adressen herein als in den sechs Monaten davor. Das ist kein Trick, das ist Planung.
Was du dir dabei gleich mitvornehmen solltest, ist der Januar. Wer sich für den Adventskalender einträgt, hat sich für den Adventskalender eingetragen, nicht für dich. Ob daraus Leserinnen werden, entscheidet sich in den ersten Mails danach, wenn kein Türchen mehr aufgeht. Fehlt dieser Anschluss, hast du im Februar dieselbe Liste wie im November, nur mit einem teureren Tarif in deinem Tool.
Mein Rat für die Geduld: Zähl nicht die Abonnentinnen, zähl die Antworten. Wenn auf deine Mails geantwortet wird, funktioniert der Newsletter, auch mit vierzig Adressen. Woran du das noch festmachst, steht in Newsletter-Kennzahlen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Eine Floristin wollte von mir wissen, wie sie auf Instagram sichtbarer wird, damit mehr Leute ihren Newsletter abonnieren. Sie hatte einen Laden in einer Kleinstadt, Stammkundschaft, und auf Instagram ein paar Hundert Follower, von denen die meisten nicht aus der Gegend waren.
Mein Vorschlag war unromantisch: Instagram erst einmal liegen lassen. Stattdessen steckt sie seit einem halben Jahr in jeden Strauß eine Karte. Darauf steht ein Satz, der verspricht, dass der Strauß zwei Tage länger hält, dazu ein QR-Code zur Anmeldeseite. Dasselbe liegt an der Kasse.
Die Menschen, die diesen Code scannen, standen gerade mit ihren Blumen in der Hand in ihrem Laden. Sie kennen sie, sie wollen das wissen, und sie wohnen in der Stadt, in der sie verkauft. Ihre Liste ist nach wie vor klein. Aber als sie im Frühjahr Workshops zum Selbstbinden angeboten hat, waren beide Termine nach einer Mail voll.
Hätte sie es über Instagram versucht, hätte sie vielleicht mehr Anmeldungen bekommen, von Menschen aus ganz Deutschland, die zu keinem Workshop kommen können. Die Zahl wäre schöner gewesen, der Abend wäre leer geblieben.
Mein Rat zum Schluss
Fang bei den Menschen an, die dich schon kennen, bring deinen Newsletter in die Signatur und gib ihm eine eigene Anmeldeseite mit einem Satz, der etwas verspricht. Das sind drei Nachmittage Arbeit, und danach läuft es, ohne dass du jeden Tag etwas dafür tun musst.
Wie schnell es danach geht, hängt an deinem Thema und daran, ob du einen Anlass nutzt. Beides lässt sich nicht einstellen wie ein Schalter. Was du dir aussuchen kannst, ist der Maßstab, und der heißt nicht, wie viele es sind, sondern ob es die Richtigen sind und ob sie dir antworten.
Häufige Fragen zum Abonnenten gewinnen
Wie viele Abonnenten braucht ein Newsletter, damit er sich lohnt?
Weniger, als die meisten denken. Wenn dein Angebot ein paar Hundert Euro kostet, reicht eine kleine Liste, auf der die richtigen Menschen stehen. Ich kenne Solopreneurinnen, die mit unter hundert Adressen regelmäßig Aufträge bekommen, und andere mit vier Zahlen vor dem Komma, bei denen nichts passiert, weil die Liste über ein Gewinnspiel entstanden ist.
Darf ich Menschen, die ich kenne, einfach in den Newsletter eintragen?
Nein. Auch bei Kundinnen, Kolleginnen und Bekannten brauchst du eine Einwilligung, die sie selbst gegeben haben. Der richtige Weg ist eine persönliche Nachricht mit dem Link zu deiner Anmeldeseite. Dann trägt sich die Person selbst ein und bestätigt die Mail, und du hast den Nachweis.
Lohnt sich ein Gewinnspiel, um Abonnenten zu gewinnen?
Für die Zahl ja, für das Geschäft selten. Wer sich für ein iPad einträgt, interessiert sich für das iPad. Die Abmeldungen kommen gebündelt nach der Ziehung, und was bleibt, öffnet selten. Wenn du ein Gewinnspiel machst, verlose etwas, das nur deine Zielgruppe haben will, zum Beispiel eine Stunde deiner Arbeit.
Wie oft darf ich auf meinen Newsletter hinweisen, ohne zu nerven?
Öfter, als du dich traust. Deine Beiträge sehen längst nicht alle, die dir folgen, und wer einen Hinweis zum dritten Mal liest, überliest ihn einfach. Nervig wird es erst, wenn der Hinweis nicht sagt, was drin ist. Ein Satz zum Inhalt macht aus einer Aufforderung ein Angebot.
Deine Manuela
Wenn du mehr wissen möchtest
Du weißt jetzt, wo die Adressen herkommen. Aber Anmeldeseite, Formular und die ersten Mails sind noch nicht gebaut?
Dann lass uns eine halbe Stunde darüber sprechen. Ich schaue mir an, wo bei dir die Menschen schon sind, und sage dir, welche zwei Wege sich bei dir zuerst lohnen. Kostenlos und ohne Verpflichtung.
Geschrieben von Manuela Bletzer
Ich richte Newsletter für soloselbstständige Frauen ein, von analog zu digital. Was hier steht, kommt aus der Arbeit mit meinen Kundinnen: die Fragen, die im Erstgespräch immer wieder auftauchen.